SRH Klinikum Sigmaringen
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Medizin kompakt erklärt! „Gut älter werden!“ – Ernährung im Alter und moderne Geriatrie

Wie bleibt man im Alter kraftvoll, mobil und selbstständig?

Dieser Frage ging Rabea-Maria Vennebörger, Leitende Oberärztin der Klinik für Geriatrie am SRH-Klinikum Sigmaringen, bei der Informationsveranstaltung „GUT ÄLTER WERDEN!“ nach. Im Rahmen der Reihe „Medizin kompakt erklärt“ erläuterte sie, warum Ernährung im Alter so entscheidend ist – und stellte die Angebote sowie aktuellen Entwicklungen der Klinik für Geriatrie vor.

Gute älter werden beginnt mit dem Alltag
„Es ist nie zu spät, etwas zu verändern“, lautete eine zentrale Botschaft des Abends. Eine ausgewogene Ernährung hilft, im Alter kraftvoll, selbstständig und lebensfroh zu bleiben. Besonders wichtig sind ausreichend Eiweiß, Flüssigkeit, Vitamine und Ballaststoffe.

Weil das Durstgefühl im Alter oft nachlässt, empfahl Vennebörger, bewusst zu trinken: in der Regel 1,5 bis 2 Liter täglich, etwa Wasser, ungesüßter Tee, verdünnte Säfte oder Brühe. Ein Glas Wasser zu jeder Mahlzeit und zwischendurch könne dabei helfen. Bei Nierenerkrankungen oder Herzmuskelschwäche sollte die passende Trinkmenge jedoch ärztlich abgeklärt werden.

Eiweiß schützt Muskeln und Selbstständigkeit
Ein Schwerpunkt des Vortrags lag auf dem Muskelabbau – einem oft unbemerkten Prozess im Alter. Ohne Bewegung und ausreichende Eiweißzufuhr verliert der Körper zunehmend Muskelkraft. Die Folgen reichen von Schwäche und Sturzgefahr bis hin zum Verlust der Selbstständigkeit.

Als Orientierung nannte die Leitende Oberärztin etwa ein Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht täglich, kombiniert mit regelmäßiger Bewegung und leichten Kraftübungen. Gute Eiweißquellen sind Fisch, Eier, Milchprodukte und Hülsenfrüchte. Auch Kalzium und Vitamin D stärken die Knochen, während Vitamin B12 im Alter häufig nur über Präparate ausreichend aufgenommen werden kann – hier empfiehlt sich der Austausch mit der Hausärztin oder dem Hausarzt.

Kleine Mahlzeiten, großer Genuss
Appetitlosigkeit, Kauprobleme, Einsamkeit oder der Aufwand für Einkauf und Kochen können im Alter dazu führen, dass zu wenig gegessen wird. Vennebörger machte deutlich: Strenge Diätregeln seien im Alter meist nicht nötig. Stattdessen gelte: Klein, aber nährstoffreich.

Ihre praktischen Tipps:
 

  • Mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilen – auch Flüssigkeit einplanen.
  • Kalorienreiche „kleine Helfer“ nutzen, etwa Nüsse, Sahne, Öle oder Smoothies.
  • Bei Kauproblemen auf weiche Kost setzen; bei Schluckbeschwerden ärztlich abklären lassen, Getränke andicken, aufrecht sitzen und langsam essen. 
  • Vorräte anlegen, größere Portionen kochen und einfrieren; Tiefkühlgemüse ist dabei genauso wertvoll wie frisches Gemüse.
  • Lieferdienste, Nachbarschaftshilfe und Hilfsmittel nutzen. Essen gemeinsam genießen – mit Familie, Nachbarn, im Mittagstisch oder Seniorentreff.
  • Auch das Auge isst mit; Gewürze, Kräuter und eine ansprechende Anrichtung können die Freude am Essen zurückbringen. Geht diese Freude verloren, kann das auf Einsamkeit, Trauer oder eine Erkrankung hinweisen. Dann sei ein offenes Gespräch wichtig.

Warnzeichen ernst nehmen
Rabea-Maria Vennebörger rief dazu auf, bestimmte Veränderungen nicht als „normales Älterwerden“ abzutun. Ärztlich abklären lassen sollte man unter anderem: Stürze ohne erkennbaren Grund, Schlecht heilende Wunden, Deutlich zunehmende Anstrengung bei kurzen Wegen, Zunehmende Müdigkeit, Schwäche oder Schwindel, Unbeabsichtigter Gewichtsverlust

Ein unbemerkter Gewichtsverlust kann ein Hinweis auf Mangelernährung sein. Zu wenig Eiweiß begünstigt Muskelschwund, zu wenig Flüssigkeit kann Verwirrtheit und Nierenprobleme verursachen, und ein Mangel an Vitaminen wie Folsäure, Vitamin D oder B12 kann Müdigkeit und schwache Knochen fördern.

Geriatrie am SRH Klinikum Sigmaringen
Die Klinik für Geriatrie am SRH-Klinikum Sigmaringen startete im August 2023 und wird seit Ende 2024 von Prof. Dr. med. Miriam Stengel und Rabea-Maria Vennebörger geleitet. Aktuell stehen 26 geriatrische Betten in 13 Zweibettzimmern zur Verfügung.

Geriatrie richtet sich an ältere Menschen mit mehreren Erkrankungen gleichzeitig und einem erhöhten Risiko, Funktionen oder Selbstständigkeit zu verlieren. Gerade nach einer akuten Erkrankung besteht ein hohes Risiko für dauerhafte Einschränkungen. Deshalb setzt die Klinik auf eine ganzheitliche, fach- und berufsgruppenübergreifende akutstationäre Behandlung und Frührehabilitation.

Zum Team gehören Pflegende, Ärztinnen und Ärzte, Physiotherapie, Ergotherapie, Musiktherapie, Logopädie, Sozialdienst, Psychologie, Seelsorge und ein Besuchshundedienst. Gemeinsames Ziel ist es, Lebensqualität, Teilhabe, Selbstständigkeit und Selbstbestimmung zu erhalten.

Gut älter werden ist keine Frage des Zufalls. Mit einer nährstoffreichen Ernährung ausreichend Flüssigkeit, Bewegung und rechtzeitiger ärztlicher Unterstützung lässt sich die eigene Gesundheit auch im höheren Lebensalter aktiv stärken.

Ein Referent präsentiert Informationen über "Blue Zones" vor einer Gruppe älterer Menschen in einem Seminarraum.
Rabea-Maria Vennebörger, leitende Oberärztin Geriatrie berichtete über das Thema Ernährung im Alter sowie den Angeboten in der Geriatrie am SRH-Klinikum Sigmaringen