Über 110 Teilnehmende informierten sich bei „Medizin kompakt erklärt“ über moderne Therapien bei Harn- und Stuhlinkontinenz und die interdisziplinäre Kompetenz am SRH Klinikum Sigmaringen
Mehr als 110 Interessierte nutzten im Rahmen der Welt-Kontinenz-Woche die Gelegenheit, sich bei der Vortragsreihe „Medizin kompakt erklärt: Inkontinenz muss dein Leben nicht bestimmen“ umfassend zu informieren. An zwei Veranstaltungsorten – im Gesundheitszentrum Bad Saulgau sowie im SRH Klinikum Sigmaringen – wurde deutlich: Inkontinenz ist ein weit verbreitetes Thema, über das viele sprechen möchten, wenn der Raum dafür geschaffen wird.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die gebündelte Kompetenz aus Gynäkologie, Urologie und Allgemein- und Viszeralchirurgie. Die drei Fachbereiche beleuchteten das Thema interdisziplinär und verständlich – von Ursachen über Diagnostik bis hin zu modernen Therapieangeboten.
„Kontinenz bedeutet Teilhabe am Leben – wer betroffen ist, denkt jeden Tag darüber nach“, erklärte PD Dr. med. Matthias Goos, Leitender Oberarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie. Er machte deutlich, dass Inkontinenz häufig mit dem Alter zunimmt, aber auch durch Faktoren wie Geburtstraumata, Ernährung, Medikamente oder chronische Erkrankungen beeinflusst wird. Entscheidend sei insbesondere die Belastbarkeit des Beckenbodens.
Dr. med. Zoltan Varga, Chefarzt der Urologie betonte aus urologischer Sicht: „Inkontinenz beim Mann ist kein einheitliches Krankheitsbild. Eine genaue Differenzierung der Ursachen ist entscheidend, um gezielt behandeln zu können.“ Moderne Therapien reichen heute von Medikamenten bis hin zu minimalinvasiven und operativen Verfahren.
Die Chefärztin der Gynäkologie und Geburtshilfe am Klinikum Emilia Wozniak, hob hervor: „Gerade Frauen sind häufig betroffen – etwa durch Schwangerschaft, Geburt oder hormonelle Veränderungen. Wichtig ist: Es gibt wirksame Hilfe, und die Therapie wird individuell abgestimmt.“
Moderne Medizin – auch robotisch unterstützt
Ein besonderer Fortschritt liegt in der robotischen Chirurgie mit dem Da-Vinci-System, das am SRH Klinikum Sigmaringen eingesetzt wird. Gerade bei komplexen Eingriffen im Beckenbodenbereich – etwa bei Senkungsoperationen – bietet diese Technologie entscheidende Vorteile wie höchste Präzision durch dreidimensionale Sicht und feinste Instrumentensteuerung, schonendere Eingriffe mit geringerer Belastung für das Gewebe, weniger Schmerzen und schnellere Erholung nach der Operation sowie hohe Erfolgsraten bei gleichzeitig geringem Komplikationsrisiko. Damit profitieren Patientinnen und Patienten von modernster Technik in Kombination mit hoher fachlicher Expertise.
Was Betroffene wissen sollten
Inkontinenz betrifft in Deutschland 10 Millionen Menschen – und ist medizinisch gut behandelbar. Es gibt unterschiedliche Formen der Inkontinenz, die gezielt unterschieden werden müssen. Eine frühzeitige Abklärung verbessert die Behandlungsmöglichkeiten deutlich.
Konkreter Mehrwert für den Alltag
Regelmäßiges Beckenbodentraining stärkt gezielt die Muskulatur und ist wichtig. Schon kleine Anpassungen im Alltag helfen: Gewichtsreduktion, Blasentraining und bewusste Trinkgewohnheiten. Ernährung beeinflusst die Beschwerden – z. B. durch Kaffee oder Alkohol. Zudem gibt ein individuelles „Kontinenz-Notfallset“ Sicherheit im Alltag.
Ein besonderer Fokus lag zudem auf dem interdisziplinären Beckenbodenzentrum am SRH Klinikum Sigmaringen. Hier arbeiten die Fachbereiche eng zusammen und bieten mit einer spezialisierten Beckenbodensprechstunde eine umfassende Diagnostik, individuelle Beratung und maßgeschneiderte Therapiekonzepte.
Die Veranstaltung machte deutlich: Inkontinenz ist kein Tabuthema und kein unausweichliches Schicksal. Wer Beschwerden hat, sollte diese frühzeitig ansprechen – denn die moderne Medizin bietet heute vielfältige und wirkungsvolle Lösungen.
