Mit bewegenden Worten und eindrucksvollen Beiträgen gedachten zahlreiche Besucher:innen in der Kapelle des SRH Klinikums Sigmaringen der Opfer des Nationalsozialismus anlässlich des Internationalen Holocaust-Gedenktags.
„Die Würde des Menschen ist unantastbar“ – Gedenkfeier im SRH Klinikum Sigmaringen erinnert an Opfer der NS-Euthanasie
„Die Würde des Menschen ist unantastbar“, betonte Chefarzt Dr. Frank-Thomas Bopp in seiner Einführung. Er erinnerte daran, dass Psychiatriepatient:innen des damaligen Fürst-Carl-Landeskrankenhauses Sigmaringen in die Tötungsanstalten deportiert und dort ermordet wurden – Menschen, die im Krankenhaus Schutz, Heilung und Fürsorge erwartet hatten. „Es reicht nicht, einmal im Jahr an diese Gräueltaten zu erinnern – wir müssen uns heute mehr denn je aktiv gegen Ausgrenzung und Diskriminierung stellen“, appellierte Dr. Bopp eindringlich.
Klinikseelsorger Johannes Schramm, der gemeinsam mit Pflegeschüler:innen die Gedenkstätte Grafeneck besucht hatte, schilderte eindrucksvoll, wie die Auseinandersetzung mit den Einzelschicksalen die Gruppe persönlich berührt und betroffen gemacht hat. Die Auszubildenden berichteten, wie durch Namen, Fotos und kurze Biografien aus abstrakten Zahlen plötzlich Menschen wurden – mit Hoffnungen, Familien und Lebenswegen, die gewaltsam beendet wurden.
Einen weiteren Akzent setzte der Vortrag von Maximilian Tremmel, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Gedenkstätte Grafeneck. Er erläuterte die Vernichtungsstrategie des NS-Regimes und zeigte anhand historischer Dokumente und Bilder, wie systematisch und bürokratisch die Tötung kranker und beeinträchtigter Menschen geplant und umgesetzt wurde. Durch die Lebensgeschichte eines getöteten Patienten aus dem Landkreis Sigmaringen bekam das unvorstellbare Grauen ein Gesicht und rückte bedrückend nahe an die eigene Gegenwart heran. Die zentrale Frage, wie Menschen damals wegsehen und mitmachen konnten, stand unausgesprochen im Raum und forderte zur Selbstreflexion heraus. Musikalisch wurde die Veranstaltung von Krankenpflegeschüler Kevin Triebel an der Orgel umrahmt.
Im Anschluss machten sich die Teilnehmenden in einem Schweigegang auf den Weg zum Gedenkstein am Landratsamt Sigmaringen. Dort wurden die Namen der getöteten Menschen einzeln verlesen – ein stiller Moment, in dem jedes Schicksal kurz im kollektiven Gedächtnis präsent war. Blumen wurden niedergelegt, als sichtbares Zeichen des Erinnerns und der Verantwortung.
Die Gedenkfeier machte unmissverständlich klar: Wir dürfen niemals vergessen! Nur wenn wir uns der Geschichte stellen und die Würde jedes Menschen achten, kann verhindert werden, dass sich Unmenschlichkeit jemals wiederholt.
