Medizin kompakt erklärt! Informationsveranstaltung im SRH-Klinikum Sigmaringen zeigt Wege zur Heilung und Vorbeugung
Der Konferenzraum im SRH-Klinikum Sigmaringen war bis auf den letzten Platz besetzt, als Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie, Dr. med. Alexandros Kantas über ein unterschätztes Gesundheitsrisiko sprach: die Fettleber. Sein Thema traf einen Nerv. Denn mehr als jede vierte erwachsene Person in Deutschland ist betroffen – oft ohne es zu wissen.
Wenn die Leber „zu fett“ wird
Mit anschaulichen Beispielen erklärte Dr. Kantas, was im Körper passiert, wenn sich Fett in der Leber ansammelt. „Unsere Leber ist das wichtigste Stoffwechselorgan. Doch wenn sie verfettet, arbeitet sie langsamer – manchmal jahrelang unbemerkt“, sagte er. Hauptursachen sind falsche Ernährung, zu viele Kohlenhydrate, Bewegungsmangel und Übergewicht. Sogar Kinder seien immer häufiger betroffen: „Der Anteil der von Fettleber betroffenen Kinder ist erschreckend und zeigt, dass wir dringend umdenken müssen,“ betonte Dr. Kantas.
Alarmierende Zahlen
Etwa 25 % aller Erwachsenen in Deutschland leiden an einer Fettleber, in den USA sind es sogar über 30 %. Bei Menschen mit starkem Übergewicht oder Diabetes Typ 2 liegt der Anteil bei bis zu 85 %. „Eine Fettleber tut nicht weh – und genau das macht sie so gefährlich“, erklärte Dr. Kantas.
Von der stillen Störung zur ernsten Krankheit
Dr. Kantas erklärte die drei Krankheitsstadien anschaulich: von der einfachen Fettleber (Stufe 1) über die entzündliche Fettleber (Steatohepatitis, Stufe 2) bis hin zur Leberzirrhose (Stufe 3). Eine unbehandelte Fettleber kann zudem das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes Typ 2 und Leberkrebs erhöhen. Ein Beispiel verdeutlichte die Dimension: „Ein Mann mit einem Body-Mass-Index über 35 hat ein deutlich höheres Risiko, an Leberkrebs zu erkranken“, warnte Kantas.
Gute Nachrichten: Heilung ist möglich
Trotz der ernüchternden Zahlen machte der Mediziner Mut: „Eine Fettleber ist behandelbar und in vielen Fällen sogar heilbar – wenn man rechtzeitig handelt,“ so Dr. Kantas. Bereits durch konsequente Ernährungsumstellung und regelmäßige Bewegung kann die Leber sich innerhalb von sechs bis acht Wochen erholen.
Zu den empfohlenen Maßnahmen zählen:
- Kohlenhydrate reduzieren, Gemüse und eiweißreiche Kost bevorzugen.
- 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche.
- Alkohol und leberschädigende Medikamente meiden.
- Regelmäßige Leberkontrolle beim Hausarzt durch Ultraschall und Blutwerte.
Das tut der Leber gut
Im zweiten Teil des Abends zeigte Dr. Kantas praktische Beispiele für leberfreundliche Lebensmittel. Besonders betonte er Artischocken, die die Gallensaftproduktion anregen, und inulinreiches Gemüse wie Chicorée oder Schwarzwurzel. Auch Kaffee hat einen schützenden Effekt auf die Leber. Weitere Empfehlungen Vitamin-E-haltige Öle wie Weizenkeim-, Raps- oder Olivenöl, Hafer und Leinsamen im Müsli oder Joghurt zur Senkung des Cholesterinspiegels und ballaststoffreiche Kost zur Unterstützung der Verdauung.
Regelmäßig hinschauen lohnt sich
Zum Abschluss riet der Chefarzt eindringlich: „Die Untersuchung der Leber sollte Teil jedes Check-ups beim Hausarzt sein. Veränderungen lassen sich früh erkennen – und dann meist auch umkehren.“ Für alle, die ihre Lebensweise überdenken möchten, gab der Abend wertvolle Denkanstöße – und das Gefühl, selbst aktiv etwas für die Lebergesundheit tun zu können.
