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Geschäftsführung der SRH Kliniken im Landkreis Sigmaringen stellt medizinisches Konzept vor

21.09.2021

Die Geschäftsführung der SRH Kliniken Landkreis Sigmaringen GmbH hat den drei

Gesellschaftern und den beiden Gremien Aufsichtsrat und Kreistag ein medizinisches

Zukunftsprofil für die drei Landkreiskliniken an den Standorten Sigmaringen, Bad Saulgau

und Pfullendorf vorgelegt, welches die stationäre Patientenversorgung sowohl medizinisch

als auch nachhaltig betriebswirtschaftlich gewährleisten kann. 

 

„Das Konzept sieht im Kern eine Bündelung der stationären Patientenversorgung am

Standort Sigmaringen vor. Zur Sicherstellung der Gesundheitsversorgung an den Standorten

Pfullendorf und Bad Saulgau sind dort entsprechend ambulante Strukturen auf- und

auszubauen und Nachnutzungskonzepte für die bestehende Infrastruktur zu entwickeln. Die

in den letzten Jahren zunehmende Veränderung der gesetzlichen Rahmenbedingungen für

die Gesundheitsversorgung und die damit einhergehende wirtschaftliche Entwicklung der

Kliniken im Landkreis Sigmaringen machen eine solche umfassende strukturelle

Veränderung der Gesundheitsversorgung im Landkreis Sigmaringen notwendig“, erklärt Dr.

Jan-Ove Faust, Gesch.ftsführer der SRH Kliniken im Landkreis Sigmaringen und MVZ

Tochtergesellschaften. Über das Konzept und die weitere Vorgehensweise müssen nun die

Gesellschafter und der Aufsichtsrat nach internen Beratungen in ihren Gremien entscheiden.

Weshalb ein neues medizinisches Konzept?

Die Kliniken Landkreis Sigmaringen wurden 2014 zu 51 % an die SRH Kliniken GmbH

übertragen. Weitere Gesellschafter sind der Landkreis Sigmaringen (36,26 %) und der

Spitalfonds Pfullendorf (12,74 %). 2017 wurde ein medizinisches Konzept für die drei

Landkreiskliniken entwickelt, welches im Wesentlichen die medizinische Weiterentwicklung

unter Erhalt der drei Standorte sowie den Beschluss für den Neubau am Standort

Sigmaringen zum Gegenstand hatte. In den folgenden zwei Jahren konnten Teile des

medizinischen Konzepts umgesetzt werden. Währenddessen haben sich jedoch die

Rahmenbedingungen der Gesundheitswirtschaft erheblich geändert, bestimmte Teile des

medizinischen Konzepts konnten u.a. auch deswegen nicht realisiert werden. Dies hat dazu

geführt, dass erstmals 2019 ein negatives Ergebnis erwirtschaftet wurde. Erste Analysen

zeigten, dass dies kein Einmaleffekt war, sondern ein Ergebnis struktureller Themen ist. 

Flankiert durch die Corona-Pandemie hat sich die Situation 2020 und 2021 weiter zugespitzt.

Aufgrund dieser Situation haben die Gesellschafter die Gesch.ftsführung beauftragt, ein

neues medizinisches Konzept für die SRH Kliniken im Landkreis Sigmaringen (KLS) zu

entwickeln.

Veränderungen im Gesundheitswesen

Das Gesundheitswesen in Deutschland unterliegt ständigen Veränderungen. Allein seit 2014

wurden über 22 Gesetzesvorhaben auf den Weg gebracht und umgesetzt. Diese Vorhaben

haben nicht nur grundlegenden Einfluss auf die Finanzierung der Gesundheitsversorgung,

sondern regeln auch strukturelle Anforderungen neu. Dabei ist es das erklärte Ziel der

Bundes- und Landespolitik, die medizinische Qualität zu steigern, Doppelvorhaltungen

abzubauen, Ressourcen zu bündeln und mehr wirtschaftliche Effizienz zu verlangen. Die

Zusammenlegungen von Standorten werden dabei bewusst in Kauf genommen bzw.

beabsichtigt. Neben einer fehlenden auskömmlichen Investitionsfinanzierung der

Krankenhäuser durch die Länder sind folgende wesentlichen Änderungen hervorzuheben:

  • GBA-Beschluss zu Notfallstrukturen im Krankenhaus: Nur noch Kliniken mit

    entsprechender Größe und Erfüllung zahlreicher Strukturversorgung bekommen

    Vergütungszuschl.ge für die Notfallversorgung. Konsequenz: ca. 600 Krankenhäuser

    in Deutschland erhalten keine Notfallstufe und bekommen somit keine Finanzierung

    für die Notaufnahme. Dies betrifft in den KLS die Krankenhäuser Pfullendorf und Bad

    Saulgau, in denen für jeden stationären Fall

    60 € wegen Nichtteilnahme an der Notfallstufenversorgung von der Vergütung

    abgezogen werden, derzeit in Summe rund 430.000€ jährlich.

  • Pflegepersonaluntergrenzen-Verordnung: Für pflegeintensive Stationen werden

    Mindestbesetzungen an Pflegefachkräften festgesetzt, die bei Nichteinhaltung zu

    erheblichen Strafzahlungen führen. Neben dem erheblichen zusätzlichen

    administrativen Aufwand führt dies entweder zu Strafzahlungen oder

    Teilschließungen von Stationen, da bei Pflegekraftmangel die Untergrenzen nicht

    eingehalten werden können.

  • Ausgliederung des Pflegebudgets: Die Herausnahme der Refinanzierung der

    Pflegekräfte aus den Behandlungspauschalen führt zu einer weiteren Komplexität in

    der Abrechnung und erheblichem administrativen Aufwand. Zwar sollen alle

    nachweisbaren Pflegekräfte finanziert werden, allerdings haben bis heute zwei Jahre

    nach in Kraft treten des Gesetzes die wenigsten Krankenhäuser das Pflegebudget

    bereits mit den Krankenkassen verhandelt.

  • COVID-19-Krankenhausentlastungsgesetz: Die Covid-Pandemie hat zu erheblichen

    Fallzahlrückg.ngen und zusätzlichen Kosten in den Krankenhäusern geführt.

    Während das Jahr 2020 überwiegend durch die Ausgleichszahlungen für die meisten

    Krankenhäuser wirtschaftlich aufgefangen werden konnte, spitzt sich die Lage in

    vielen Krankenhäusern 2021 zu und führt zu sich deutlich verschlechternden

    wirtschaftlichen Situationen. Auch wird deutlich, dass man nicht mehr an die

    Fallzahlen von 2019 wird anschließen können, so dass sich alle Häuser in

    Deutschland auf ein um 5-8 Prozentpunkte verringertes Leistungsvolumen einstellen

    müssen, was erhebliche Eingriffe in den Personalbestand notwendig macht.

Neben diesen veränderten strukturellen und gesetzlichen wie pandemischen

Rahmenbedingungen ist seit 2016 zudem festzustellen, dass der Versorgungsmarkt in

Deutschland nicht mehr wächst. Haben die Krankenhäuser die Erlös-Kosten-Schere in der

Vergangenheit durch kontinuierliche Leistungssteigerungen kompensiert, so ist dies nicht

mehr möglich. Vielmehr war 2017 sogar ein leichter Rückgang der Fallzahlen zu verzeichnen,

auf dessen Niveau die Jahre 2018 und 2019 stagnieren. Aufgrund der Corona-Pandemie hat

das Jahr 2020 zu einem Leistungseinbruch zwischen 10 und 15 Prozent geführt. Hat man

anfangs noch vermutet, dass man nach der Pandemie wieder auf das Niveau von 2019

zurückkehren wird, so wird 15 Monate nach der Pandemie deutlich, dass die Leistungen max.

zu 92 bis 95 Prozent der Leistungen zur 2019 zurückkommen werden.

Neben diesen Leistungsrückg.ngen kämpft der Gesundheitssektor erheblich mit dem

Fachkräftemangel sowohl im ärztlichen wie im pflegerischen Bereich. Dreiviertel aller

Krankenhäuser in Deutschland bekommen die offenen Stellen nicht mehr besetzt. Nach

Umfragen des Deutschen Krankenhaus Instituts waren bereits 2019 über 7.000 Arztstellen

und 24.000 Pflegekraftstellen nicht zu besetzen. Dies hat sich bis heute eher verschärft als

verbessert, sodass davon auszugehen ist, dass auch weiterhin um Ärzte und Pflegekräfte

gerungen werden muss. Daher ist die Attraktivität von Krankenhäusern für die Gewinnung

von Fachkräften von zentraler Bedeutung.

Vor allem kleinere Häuser werden künftig besonders mit dem Fachkräftemangel zu kämpfen

haben, da diese insbesondere für Ärzte weniger attraktiv sind, als größere Häuser mit

spezialisierterem Leistungsspektrum. Darüber hinaus wird dies durch die zunehmende

Spezialisierung der ärztlichen Ausbildung verschärft, so dass breit ausgebildete Chefärzte

insbesondere für kleinere Krankenhäuser nicht mehr zu finden sein werden und häufig durch

zwei oder drei Ärzte entsprechender Spezialisierung ersetzt werden müssen.

Es wird deutlich, dass sich die Rahmenbedingungen in den vergangenen 6-7 Jahren so stark

verändert haben, dass die aktuellen Strukturen der akutstationären Gesundheitsversorgung im Landkreis

Sigmaringen dringend anzupassen sind, da sonst die strukturellen, medizinischen aber auch die personellen

und wirtschaftlichen Herausforderungen nicht mehr erfolgreich gehandhabt werden können.

Das medizinische Konzept – Vorgaben, Bewertungsfaktoren, Ziele

Das medizinische Zukunftsprofil wurde von der Gesch.ftsführung in enger Zusammen-arbeit

mit der Unternehmensberatung der Curacon GmbH Wirtschaftsprüfungs-gesellschaft

fristgerecht zum 30. Juni 2021 erstellt. Die Beauftragung erfolgte in Abstimmung mit den

drei Gesellschaftern SRH Gesundheit GmbH, Landkreis Sigmaringen, Spitalfonds Pfullendorf.

Zielvorgabe für ein neues medizinisches Konzept von Seiten der Gesellschafter war,

weiterhin eine qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung im Landkreis Sigmaringen

sicherzustellen, da das bisherige Konzept bei den geänderten gesetzlichen Bedingungen und

Entwicklungen in der Gesundheitsbranche nicht mehr greift. Die Medizin soll weiterhin im

Vordergrund stehen und die stationäre Versorgung wirtschaftlich nachhaltig erbracht

werden. Zudem sollen die Kliniken weiterhin attraktiv für hoch qualifiziertes Personal bleiben

und die entsprechenden Voraussetzungen dafür generieren können. Dazu gehört auch

attraktive bauliche Rahmenbedingungen für das Personal bereitzustellen sowie die

Finanzierung der des Unternehmens sicherzustellen.

Als Basisfaktoren wurden der mittel- und langfristige Versorgungsbedarf, die

Marktpotenziale sowie die Wettbewerbssituation ermittelt. Analysiert und bewertet wurden

insbesondere auch die Faktoren veränderte gesetzlichen Rahmenbedingungen,

medizinischer Fortschritt und zunehmende Ambulantisierung, Patientenbedürfnisse,

zunehmender Fachkräftemangel in der Gesundheitsbranche und Mitarbeiterattraktivität

sowie eine wirtschaftliche Betriebsführung.

 

Status Quo | Empfehlungen

Der akut-stationäre Versorgungsbedarf wird im Landkreis Sigmaringen aufgrund der

Bevölkerungsentwicklung, zunehmender Ambulantisierung und der anhaltenden Corona-

Pandemie weiterhin sinken. Künftig werden deshalb rund 420 akutstationäre somatische

Betten (davon 90 Betten Psychiatrie) ausreichend sein, aktuell gibt es insgesamt 523 Betten.

 

Der Fachkräftemangel wird sich im Landkreis, entsprechend dem bundesweiten Trend,

weiter verschärfen, so dass zukünftig nicht mehr alle drei Standorte ausreichend mit

Personal versorgt werden können und somit der größere Standort zur Sicherstellung der

Versorgung Priorität haben muss. Der Investitionsbedarf an allen drei Standorten ist

erheblich. An den Standorten Bad Saulgau und Pfullendorf kann er aufgrund nicht zu erwartender

Fördermittel und kritisch kleiner Betriebsgrößen zukünftig nicht mehr refinanziert werden.

 

Das Szenario sieht deshalb vor, die benötigten 420 akutstationären medizinischen Betten

nicht auf drei Standorte aufzuteilen, sondern an einem Standort - im Sinne der

Sicherstellung medizinscher Qualität, Erfüllung von Strukturvoraussetzungen, Konzentration

der personellen Ressourcen und notwendiger Wirtschaftlichkeit - zu bündeln. Die

Gefäßchirurgie soll dabei von Standort Pfullendorf nach Sigmaringen verlagert und das

medizinische Angebot in Sigmaringen um eine geriatrische Station erweitert werden. Durch

diese Konzentrationsmaßnahmen wird im Landkreis Sigmaringen eine gute akutstationäre

Patientenversorgung nachhaltig gewährleistet.

 

Zur Sicherstellung der Gesundheitsversorgung an den Standorten Pfullendorf und Bad Saulgau sind

entsprechende ambulante Strukturen mit den Raumschaften auf- und auszubauen. An einer

entsprechenden Entwicklung von Nachnutzungskonzepten z. B. mit den eigenen MVZ würden die

Kliniken mitwirken. Mit dem Zukunftskonzept wird ein nachhaltig positives Jahresergebnis ab 2025

erwartet, welches langfristig den Investitionsbedarf für die SRH Kliniken Landkreis Sigmaringen finanzieren

kann.

 

Fazit

Aus Sicht der Gesch.ftsführung der SRH Kliniken Landkreis Sigmaringen und der

Gesellschafter stellt das vorgeschlagene medizinische Konzept eine zukunftsfähige und

nachhaltige Lösung dar, die sowohl aus medizinischer, personeller, investiver und

wirtschaftlicher Sicht langfristig tragfähig ist. Dabei ist zu berücksichtigen, dass auch ein

420 Bettenhaus noch keine optimale Betriebsgröße hat und entsprechend effizient arbeiten

muss.

 

Das vorgeschlagene Szenario würde die SRH Kliniken Landkreis Sigmaringen GmbH wieder

befähigen aktuell und zukünftig dem medizinischen Fortschritt zu folgen und ein

angemessenes Versorgungsspektrum zu bieten. Sie wird wieder investitionsfähig, begegnet

dem Fachkräftemangel durch gute Arbeitsbedingungen, erreicht eine angemessene

Unterbringungsqualität für Patienten und erhält wieder die erforderliche wirtschaftliche

Kraft, um eine adäquate akutstationäre Versorgung im Landkreis Sigmaringen zu

gewährleisten.

 

Bürgerinformation

Die Gesch.ftsführung der SRH Kliniken Landkreis Sigmaringen und ihre Gesellschafter laden

die Bürger:innen des Landkreises zu einer Informationsveranstaltung ein, um ihnen das

Medizinkonzept vorzustellen. Termin: Freitag, den 24.9.2021, Beginn 19 Uhr, Einlass 18.15

Uhr; Veranstaltungsort: Göge-Halle Hohentengen, Josef-Kurth-Straße, 88367 Hohentengen.

Für die Veranstaltung gilt die 3-G-Regel.