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„Die Unfruchtbarmacher“ -Gedenkfeier für ermordete behinderte und chronisch kranke Psychiatriepatienten am 28. Januar 2019

15.01.2019

Zum internationalen Holocaustgedenktag findet in der Kapelle des SRH Krankenhauses Sigmaringen eine Gedenkfeier für die 90 ermordeten behinderten und chronisch kranken Psychiatriepatienten des früheren Fürst-Carl-Landeskrankenhauses statt. Dieses Jahr wird auch der etwa 275 Menschen aus dem Gebiet der Hohenzollerischen Lande gedacht, die in der Zeit des Nationalsozialismus zwangsweise unfruchtbar gemacht worden sind.

Die Krankenhausseelsorge und die Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des SRH Krankenhauses Sigmaringen laden ein, an dieser Veranstaltung am 28. Januar 2019, 17 Uhr, teilzunehmen. Die Feier beginnt in der Krankenhauskapelle. Nach der Begrüßung durch Dr. Frank Bopp, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, gibt es einen gemeinsamen Gang durch den unterirdischen Flur es Krankenhauses in den Aufführungsraum im Personalwohngebäude. Dort findet die szenische Lesung „Die Unfruchtbarmacher" von Eva Martin-Schneider statt, gestaltet von Mitarbeitern, Ärzten und Pflegekräften des SRH Krankenhauses. Die Veranstaltung wird musikalisch begleitet von Dr. Gabriele Stalzer.

„Der Arbeitskreis Justiz hat die Lesung zusammen mit der Regisseurin Eva Martin-Schneider aus Originalzitaten zusammengestellt. Sie stammen Wort für Wort aus Unterlagen des Generallandesarchivs Karlsruhe: aus Akten des Erbgesundheitsgerichts Mannheim, des Erbgesundheitsobergerichts in Karlsruhe, aus Entschädigungsgesuchen und Spruchkammerverfahren", so zu lesen auf der Internetseite des Landesarchivs Baden-Württemberg.

Im ehemaligen Fürst-Carl-Landeskrankenhaus in Sigmaringen waren zwischen 1934 und 1942 zunächst mehr als 100 angeblich erbkranke Männer zwangsweise unfruchtbar gemacht worden. Am 12. Dezember 1940 und am 14. März 1941 wurde das staatliche Mordprogramm der Nationalsozialisten unter dem beschönigenden Begriff der Euthanasie dann auch in Sigmaringen durchgeführt. Insgesamt 91 von seinerzeit 213 Patienten wurden abtransportiert und in den Tötungsanstalten in Grafeneck bei Münsingen und Hadamar bei Limburg vergast. Nur einer der Deportierten entging diesem Schicksal. Zum 65. Jahrestag des ersten Transportes wurde am 12. Dezember 2005 auf dem Gelände des heutigen Landratsamtes ein Gedenkstein errichtet, welcher nach Fertigstellung des Neubaus des Landratsamtes seinen heutigen Platz erhielt.