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Gedenkfeier für 90 ermordete behinderte und chronisch kranke Psychiatriepatienten

19.01.2017

Am Donnerstag, 26. Januar 2017, findet um 17 Uhr in der Kapelle des SRH Krankenhauses Sigmaringen eine Gedenkfeier für die 90 ermordeten behinderten und chronisch kranken Psychiatriepatienten des früheren Fürst-Carl-Landeskrankenhauses statt.


Im Mittelpunkt der Feier steht die musikalische Lesung „Grafeneck 1940“ von Berthold Biesinger, Schauspieler am Theater „Lindenhof“, zusammen mit der Musikerin Susanne Hinkelbein am Klavier.

Die Gedenkfeier wird zum internationalen Holocaustgedenktag veranstaltet. Sie wird mit einem schweigenden Gang an den Gedenkstein beim Landratsamt fortgesetzt und findet dort ihren Abschluss. Krankenhausseelsorge und die Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des SRH Krankenhauses laden ein.

Im ehemaligen Fürst-Carl-Landeskrankenhaus in Sigmaringen waren zwischen 1934 und 1942 zunächst mehr als 100 vorgeblich „erbkranke“ Männer zwangsweise unfruchtbar gemacht worden. Am 12. Dezember 1940 und am 14. März 1941 wurde das staatliche Mordprogramm der Nationalsozialisten unter dem beschönigenden Begriff der „Euthanasie“ dann auch in Sigmaringen durchgeführt. Insgesamt 91 von seinerzeit 213 Patienten wurden abtransportiert und in den Tötungsanstalten in Grafeneck bei Münsingen und Hadamar bei Limburg vergast. Nur einer der Deportierten entging diesem Schicksal.

Zum 65. Jahrestag des ersten Transportes wurde am 12. Dezember 2005 auf dem Gelände des heutigen Landratsamtes ein Gedenkstein errichtet, welcher nach Fertigstellung des Neubaus des Landratsamtes seinen heutigen Platz erhielt.

Am Mahnmal bei Landratsamt werden Schüler der Krankenpflegeschule und Mitarbeiter des Annahauses die Namen der Ermordeten vortragen. Vertreter der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg aus Sigmaringen überbringen das Friedenslicht aus Bethlehem. Stefan Dudda übernimmt die musikalische Gestaltung.